Die Hamburger Deichtorhallen sind eine der bedeutenden Kunstadressen in Hamburg und ganz Deutschland. Dieses 2023 vom Fotografen Franz Christian Gundlach gegründete Haus der Fotografie ist eine der wenigen ständigen Ausstellungen in Deutschland, die sich ausschließlich der Fotografie widmen. Hier findet auch regelmäßig die Ausstellung zum World Photography Award statt.
Gundlach wurde am 16. Juli 1926 in Heinebach, Hessen geboren und verstarb am 23. Juli 2021 in Hamburg. Wer sich mit Fotografie beschäftigt kennt ihn als einen der ganz großen Künstler in diesem Bereich. Seine besonderer Stil der Modefotografie begleitete die Entwicklung der Mode vor allem in den 50er, 60er und 70er Jahren.
Die diesjährige 9. Triennale der Fotografie lief unter dem Titel „Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other“. Das Ziel war eine Vereinigung historischer und gegenwärtiger Ausdrucksformen der Fotografie. Und da wir uns in Hamburg befinden, waren natürlich auch ein paar erzieherische Untertöne im Stil der dort vorherrschenden grünroten Denke nicht zu übersehen. Offiziell nennt man das heute „soziale Unterschiede“ und „gesellschaftliche Polarisierungen“.
Im Originalton des Kurators der Ausstellung liest sich das so: „ Die … 9. Triennale der Fotografie Hamburg feiert die kulturelle und künstlerische Vielfalt der Fotografie … und schafft einen offenen, vielstimmigen Raum der Begegnung, der gesellschaftliche Polarisierungen hinterfragt und die Trennung von »Wir« und den/dem »Anderen« überwinden will.“
Allerdings: Ist es noch Kunst, wenn man mexikanische Transvestiten in den Ruinen eines Bordells zeigt, das früher ihr Arbeitsplatz war? Ästhetisch ist es zumindest nicht und ob der Betrachter damit bereit ist „Unterschiede zu akzeptieren, ohne Bedingungen“, wie es Kurator Mark Seally ausdrückt, darf auch bezweifelt werden. Sicher, es gibt Randgruppen in unserer Gesellschaft und man muss ihre Lebensweise weder mögen noch billigen. Aber welchen geistigen Gewinn soll der Betrachter aus einer Fotoreihe ziehen, die schräge Menschen in den Trümmern ihrer Vergangenheit zeigt?
Eine Fotoreihe über jamaikanische Reggae-Musiker wie Bob Marley und Peter Tosh ist durchaus ein Stück Zeitgeschichte und weist deutlich auf deren Herkunft aus den Slums von Kingston hin. Aber aus fotografischer Sicht handelt es sich hier um zufällige Schnappschüsse, wie sie jeder Amateur geschossen haben könnte. Ist das eine Ausstellung wert?
Auch eine handschriftliche Reihe aus eher pornografischen Aussagen erscheint recht deplatziert. Sie mag zwar die Gedanken und Begierden des jeweiligen Autors über den weiblichen Körper widerspiegeln. Aber ist das Kunst? Und was hat das mit Fotografie zu tun? Was gibt es hier zu „akzeptieren“?
Überhaupt bewegen sich viele Bildreihen im Milieu der schwarzen Unterschicht aus den Regionen dieser Welt. Es ist bedrückend, zu sehen, dass es Menschen gibt, deren Wohnumfeld nur eine notdürftige Hütte aus Wellblech ist. Das ist genau die Welt, aus der die Menschen kommen, die seit 2015 im Begriff sind, Europa zu erobern und unsere Städte in genau dieselben Slums zu verwandeln, aus denen sie kommen. Das ist leider gelebte Realität. Aber soll man das wirklich „akzeptieren“?
Auch die wiederholte Konfrontation mit Randformen der Sexualität ist mehr irritierend als es Verständnis weckt. Die queere Szene ist eine gesellschaftliche Randerscheinung, der außer den Betroffenen kaum jemand Beachtung schenkt. Sie veranstaltet heute ganz offen Umzüge und Straßenfeste unter dem Zeichen des Regenbogens, ohne dass sich jemand daran stört. Diese Menschen polarisieren natürlich, aber mehr Toleranz, als diese absolute Minorität ohnehin schon erhält, ist eigentlich kaum vorstellbar.
Die 9. Hamburger Triennale der Fotografie ist/war durchaus eine bemerkenswerte Ausstellung, die einen Besuch wert ist. Hier konnte man auch 2026 wieder einen durchaus eindrucksvollen Blick af das künstlerische Schaffen aus dem Bereich der Fotografie werfen. Aber die Einflussnahme der nicht nur in Hamburg allgegenwärtigen woken Denke ist dennoch nicht zu übersehen. Das ist zwar typisch für unsere Zeit, aber es ist dennoch schade, denn hier verkommt Fotografie allzu oft zur reinen Dokumentation des Zeitgeistes und es fällt vielfach recht schwer, dahinter noch irgendeine Form von Kunst zu auszumachen.
Wobei es auch bei dieser Triennale durchaus fotografische Kunst zu sehen gab. Allein schon der Einblick in das künstlerische Schaffen von Gundlach ist den Besuch wert. Er war Bestandteil der Ausstellung und dokumentiert, weshalb die Fotografie in Farbe und Schwarzweiß durchaus eie ernstzunehmende Kunstform ist, die genau in unsere Zeit passt.
Vielleicht erleben wir ja eines Tages wieder eine Welt, in der sich Kunst frei von politischen und gesellschaftlichen Strömungen entwickeln kann und einen Spiegel der unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen bildet.
