Das Spiel zwischen Mann und Frau kennt keine festen Regeln. Es ist ein Spiel zwischen sehr ungleichen Teilnehmern mit unterschiedlichen Absichten und bestenfalls ähnlichen Zielen. Wer das einmal erkannt hat, kann über das in der westlichen Welt vorherrschende Denken nur lachen. Denn die Geschlechter sind definitiv nicht gleich. Ihre Unterschiede sind fundamental und haben nur wenig mit Erziehung und Konditionierung zu tun.
Das zeigt sich unter anderem in der Art, wie Männer und Frauen kommunizieren und vor allem wie sie streiten. Eine Frau ist sehr körperlich orientiert. Sie reagiert emotional und bei einer verbalen Auseinandersetzung sagt sie sehr schnell Dinge, die völlig überzogen sind. Damit kann ein Mann nur bedingt umgehen. Er denkt eher entlang rationaler Argumentationsketten. Wenn sich A wie B verhält, dann ist C die logische Folge.
Eine Frau kann dem nur bedingt folgen. Sie ist zwar nicht unfähig, rational, logisch, konsequent zu denken. Aber auf ihrer Werteskala steht das nicht unbedingt auf oberster Stufe. Sie will daher keinen Streit „gewinnen“. Sie will, dass er endlich zu Ende ist und wieder Harmonie herrscht. Stunden- oder gar tagelange Auseinandersetzungen passen nicht zu ihrer Psyche. Damit kann sie nicht wirklich umgehen. Genauso wenig wie mit dem eisigen Schweigen, das so mancher Auseinandersetzung folgt.
Ein kluger Psychologe und Paarberater hat es einmal so formuliert: „Streitet so viel und heftig, wie ihr für nötig haltet. Aber lasst es nie zu, dass ein Streit die Nacht überdauert.“ Am nächsten Morgen ist er nämlich nicht zu Ende. Er hat nur eine Nacht lang in den Köpfen gegärt und ist dabei zu einer toxischen Mischung geworden. Deshalb herrscht am Morgen nach dem Streit vielleicht Ruhe. Aber die Fronten haben sich nicht in Nichts aufgelöst, sondern sind eher verhärtet. Jeder hat sich an seiner Version des Problems festgebissen. Jeder meint „Recht“ zu haben, auch wenn es eine richtige oder falsche Sichtweise eigentlich gar nicht gibt.
Das Ergebnis ist verbissenes Schweigen.
Schweigen, das tagelang, manchmal sogar wochenlang anhalten kann. Schweigen, das wortlos die Beziehung vergiftet und jede Kommunikation erstickt.
„Frage dich einmal am nächsten Morgen, worum es bei dem Streit eigentlich ging,“ meint der zitierte Psychologe. „Ich wette, dass du das nicht in eindeutige, analytische Worte fassen kannst. Denn der Streit war keine intellektuelle Auseinandersetzung. Es war vor allem ein emotionaler Schlagabtausch. Dabei war irgendeine tatsächliche Situation der Auslöser und das gesamte Wortgewitter, das sich daraus ergeben hat, war lediglich der aufgestaute Gedankenschwall, der endlich ein Ventil gefunden hat.“
Daher war der Streit auch nicht sinnlos. Er hat nämlich Gedanken, Unzufriedenheiten und Ärgernisse ans Licht gebracht, die ohnehin schon vorhanden waren. Folglich ist er auch nicht die Katastrophe, als die er empfunden wird. Er ist nur der Donner nach dem Blitz und der heftige Regen, der einfach dazu gehört.
Eine Frau ist ein ausgeprägt kommunikatives Wesen. Sie braucht den Streit. Sie braucht den Blitz, den Donner und den Regen. Sie muss einfach ihren Frust und ihre Unzufriedenheit loswerden, auch wenn sie dabei oft weit übers Ziel hinausschießt. Deshalb ist sie im Zuge des Wortgefechts unsachlich, uneinsichtig und auch unfair.
Aber sie meint es nicht so und sollte daher auch nicht wörtlich genommen werden. Sie ist einfach nur Frau und kann nicht anders. Und sie hält dich weder für den schäbigsten Kerl, der ihr je begegnet ist, noch will sie dich hier und jetzt verlassen (auch wenn sie Anstalten dazu macht). Sie will schlicht und einfach nur wahrgenommen werden. Sie will in deinem Leben eine Rolle spielen und wichtig sein.
Aber du bist der Mann. Du stehst über den Dingen. Du hast Weitblick und weißt, dass man sich an unüberlegten Worten im Streit nicht festbeißen darf. Du erträgst daher alle verbalen Attacken, auch wenn sie dich in deinem Ego treffen und alles andere als fair sind. Vielleicht feuerst du die Auseinandersetzung sogar zusätzlich an, denn auch du bist nur ein Mensch mit Emotionen und Geltungsbedürfnis.
Aber beherzige die eiserne Regel: Kein Streit darf die Nacht überdauern.
Denn am nächsten Morgen ist das Problem nicht einfach verschwunden wie durch ein Wunder. Es ist über Nacht vielleicht sogar gewachsen und jetzt so groß, dass jede Schlichtung völlig aussichtslos erscheint.
Gebe also dem Streit Raum, um sich zu entfalten. Aber lasse ihn nicht eskalieren. Schreite ein, wenn die Argumente (die ja meist nur Scheinargumente sind) unsachlich und verletzlich werden. Sage laut und unüberhörbar „Stopp“, wenn die kritische Schwelle überschritten ist. Lass nicht zu, dass entgleiste weibliche Emotionen die Situation bestimmen.
Sei derjenige, der bestimmt, wann der Streit zu Ende ist, bevor er außer Kontrolle gerät.
Wie?
Indem du auf sie zugehst und sie umarmst. Wenn sie dazu (noch) nicht bereit ist, musst du dafür vielleicht sogar Gewalt anwenden. Du musst sie zwingen, sich zu beruhigen. Du musst sie so lange festhalten, bis sie ihren körperlichen Widerstand aufgegeben hat und deinen eisernen Griff nicht mehr braucht. Gebe ihr das Gefühl von Nähe, ohne das keine Frau überleben kann. Halte sie ganz einfach in den Armen und zweige ihr wortlos, dass sie dir etwas bedeutet und du ihre Nähe genauso brauchst, wie wie deine.
Küsse sie. Auf die Wange, auf die Schulter, auf ihren Nacken und irgendwann auch auf den Mund. Denn eine Frau braucht nicht die klügeren Worte und besseren Argumente. Sie braucht vor allem Bestätigung. Sie will wissen, dass sie trotz aller Probleme, die es zwischen euch vielleicht gibt, geliebt und geschätzt wird. Wenn du im Unrecht bist, genügt eine einfache Entschuldigung und sie wird dir vergeben. Wenn du Recht hast, poche nicht darauf, denn sie weiß es ohnehin.
Beende also den heftigen Streit mit einem heftigen Fick wie ihr ihn schon lange nicht mehr erlebt habt. Denn unterschiedliche Meinungen zählen nicht. Nicht wirklich. Entscheidend ist nämlich nicht, wer recht hat und wer schuld ist. Entscheidend ist allein, dass das Wir über das Ich triumphiert. Und das wird ganz besonders deutlich, als wenn ihr eine Auseinandersetzung beendet habt und nicht nur geistig, sondern auch körperlich vereint seid.
Zeige also als Mann keine Stärke, indem du den Gewinner spielst. Stehe über den Dingen und sorge dafür, dass du es bist, der jeder Situation gewachsen ist. Du wirst und kannst nicht vollkommen sein. Aber du kannst für deine Frau der Fels in der Brandung sein, auf den sie zählen kann und den so schnell nichts erschüttert.
