Liebe zwischen Mann und Frau ist natürlich vor allem ein biochemischer Prozess. Aber sie hat auch viel mit Verhaltensmustern und Kommunikation zu tun. Und mit dem Geschlecht. Denn Männer haben eine völlig andere Art zu lieben als Frauen. Mit der Folge, dass sich Missverständnisse meist nicht vermeiden lassen und die Liebesbeweise der einen Seite von der anderen oft überhaupt nicht wahrgenommen werden.
Ein richtiger Mann fühlt sich für seine Frau verantwortlich. Dafür hat ihn die Entwicklung über viele Jahrtausende hinweg mit einem ausgeprägten Beschützerinstinkt ausgestattet. Er wird ihr vielleicht nicht ständig sagen, dass er sie liebt, auch wenn sie das eigentlich nicht oft genug hören kann. Aber wenn er sie liebt, wird er für sie da sein. Er wird auch in kritischen Situationen hinter ihr stehen. Und er wird dafür sorgen, dass ihr nichts geschieht.
Es ist daher kein Wunsch nach Überwachung, wenn er immer genau wissen will, wohin sie geht und wie er sie erreichen kann. Es ist sein angeborenes Bedürfnis, sie in Sicherheit zu wissen. Denn sie gehört zu ihm. Sie ist ein Teil von ihm und wenn sie nicht da ist, fehlt ihm etwas.
Sie macht einen Besuch bei Verwandten, die hundert Kilometer entfernt wohnen? Er wird sie bitten, sich zu melden, sobald sie angekommen ist. Sie trifft sich zu einer abendlichen Runde mit ihren Freundinnen? Er schätzt es, wenn sie ihm zumindest eine SMS schickt, bevor sie sich auf dem Heimweg macht. Ein paar Tage Wellness ganz allein? Mindestens ein Anruf pro Tag gibt ihm die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist. Wie gesagt, es geht hier nicht um die totale Kontrolle. Es ist Ausdruck seiner Sorge. Es ist seine Art, Liebe zu zeigen.
Auch wenn er ihr vielleicht nur selten buchstäblich sagt, dass er sie liebt, zeigt er es auf eine Art und Weise, die ihr irgendwann zur Gewohnheit geworden ist. Er berührt sie scheinbar zufällig im Vorbeigehen oder gibt ihr einen Klaps auf den Po. Er kommt von Zeit zu Zeit in die Küche oder wo immer sie sich gerade aufhält. Nicht aus einem ganz bestimmten Grund, sondern einfach nur, um zu sehen, dass alles in Ordnung ist. Sie fühlt sich vielleicht beobachtet oder gar kontrolliert. Für ihn ist das ein automatischer Reflex, der tief in seinen Genen steckt. Er lebt nicht einfach im selben Haus mit ihr. Sie ist Teil seines Lebens und ihr Wohlbefinden ist ihm wichtig.
Ein liebender Mann ist ein aufmerksamer Mann. Er merkt selbst kleinste Veränderungen an ihr. Sie war bei Friseur? Er wird es mit einem kleinen Kompliment kommentieren. Sie trägt ein simples T-Shirt, das sie vorher noch nie anhatte? Er wird es wahrnehmen. Überhaupt wird das Leben mit ihm von tausend kleinen Komplimenten begleitet, die einfach so nebenbei aus seinem Mund kommen. Nicht immer, wenn sie es erwartet, aber immer dann, wenn ihm danach ist.
Ein Mann, dem seine Frau viel bedeutet, wird auch nie von ihr genervt sein. Auch wenn er mitten in einer wichtigen Arbeit steckt, für ein kleines Lächeln ist immer Zeit. Für die Nummer eins in seinem Leben steht die Tür zum Home Office immer offen. Und er schätzt es, wenn sie gelegentlich vorbeikommt, und ihm einen frischen Kaffee bringt.
Manchmal gehen solche kleinen Gesten im Alltags unter und werden zur Gewohnheit, die irgendwie ganz einfach dazu gehört. Aber sie sind nicht einfach Routine. Sie sind die Zeichen einer intakten Beziehung. Sie sagen „ich liebe dich“, ohne dafür Worte zu verwenden, die vielleicht irgendwie nur noch wie leere Phrasen klingen. Männer sind ohnehin nicht bekannt für viele Worte. Sie drücken daher auch ihre Zuneigung eher mit Taten aus. Sie haben vielleicht keinen Sinn für Blumen. Aber es gibt tausend praktische Dinge, mit denen sie spontan zum Ausdruck bringen, dass sie an die Frau zu Hause gedacht haben.
Eine Frau sollte daher lernen, eher auf die Taten ihres Mannes zu achten, als auf das, was sie gerne von ihm hören möchte. Vor allem auf die kleinen Taten, die irgendwie selbstverständlich erscheinen, es aber in Wirklichkeit nicht sind. Denn hinter jeder Tat steckt auch ein Gedanke, ein Motiv, eine Absicht, auch wenn sie noch so unbedeutend zu sein scheint.
Ein Mann denkt vielleicht in langfristigen Dimensionen, aber er lebt dennoch im Hier und Jetzt. Er weiß daher, dass Streit, Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse zum Leben dazu gehört und misst daher einer Auseinandersetzung keine allzu große Bedeutung bei. Wenn er sich heute über seine Frau ärgert, hat er vermutlich morgen schon vergessen, worum es eigentlich ging. Worte im Streit klingen daher bei ihm ziemlich schnell ab, während sie sich noch Monate später an einzelne Sätze erinnern kann. Sex nach dem Streit sind für ihn der Beweis, dass das Problem erledigt und alles wieder in Ordnung ist.
In ihrem Kopf kann es hingegen völlig anders aussehen.
Frauen sagen Männern zwar gerne nach, dass sie nie richtig zuhören würden. Aber das stimmt so nicht. Nicht in dieser Vereinfachung. Männer gehen nämlich äußerst analytisch vor, wenn sie einer Frau zuhören. Sie wissen, dass 80 % von dem, das sie sagt, ohnehin irrelevant ist, also schalten sie ihren Wichtigkeitsfilter ein und merken sich nur das, was wirklich entscheidend ist. Das kann natürlich etwas völlig anderes sein als das, was die Frau für wichtig hält. Aber so ist das nun mal.
Plappert sie über Dinge, die für ihn völlig uninteressant sind, dann nimmt er das eher als eine Art verbales Hintergrundgeräusch wahr. In Wirklichkeit beschäftigen sich seine Gedanken mit völlig anderen Dingen und er reagiert bestenfalls auf bestimmte Buzzwords, die in seinem Bewusstsein als wichtig markiert sind. Der oft gehörte Vorwurf „Du hörst mir nie zu“ stimmt also meist, aber nur zu einem gewissen Teil. Aber eigentlich stimmt er auch nicht, denn er hat durchaus das aus ihrem Wortschwall herausgefiltert, was für ihn wichtig ist.
Überhaupt ist Liebe für einen Mann viel mehr auf die körperliche Liebe fixiert, als es bei der Frau der Fall ist. Ohne befriedigenden Sex frieren auch alle anderen Empfindungen ein. Routine statt Gefühle. Nebeneinander statt Miteinander. Berührungslosigkeit statt Nähe. Langeweile statt gelegentlicher Überraschungen. Ich und du statt wir.
Wobei es meist die Frauen sind, die zwar wahrgenommen werden wollen, aber an Sex kein Interesse mehr zeigen – und sich dann wundern, warum sich der Mann langsam aber sicher ändert, in sich selbst zurückzieht oder nach Alternativen für eine eingeschlafene Beziehung sucht. Denn auf Dauer will kein Mann der Bittsteller sein, dem sie gelegentlich etwas Nähe gewährt.
