Seit vielen Jahren zieht es mich in jedem Sommer nach Büdelsdorf in Schleswig-Holstein. Die dortige Nordart ist ein echtes Highlight und eine lohnende Bereicherung neben den üblichen Ausstellungsorten im Land. Ich möchte sogar sagen, es ist der einzige Ort im nördlichsten Bundesland, an dem es richtig gute Gegenwartskunst zu sehen gibt.
Oder besser gesagt, zu sehen gab. Mein diesjähriger Besuch in der denkmalgeschützten Carlshütte erwies sich nämlich als ein Kunstausflug ohne Kunst. Der große Skulpturenpark hatte zwar zahlreiche neue und sehenswerte Kunstwerke zu bieten. Aber die eigentliche Ausstellung in der alten Eisenhütte war eine einzige Enttäuschung.
Das merkte man schon beim Betreten des ersten Ausstellungsbereiches gleich nach dem Eingang. So viel einfach nur leere Hallenfläche habe ich hier noch nie gesehen. Lediglich entlang der Außenwände waren einige großformatige Bilder zu bewundern, die zwar ästhetisch durchaus ansprechend waren. Aber ein optisches Highlight suchte man hier vergebens. Es war auch kein wirkliches Thema zu erkennen und ich hatte den Eindruck, dass die Kuratoren große Mühe gehabt hatten, die lichtdurchflutete Halle mit sehenswerten Inhalten zu füllen.
Normalerweise zücke ich auf der Nordart ständig meine Kamera und schieße unzählige Erinnerungen. Dieses Mal waren die Motive für meine persönliche Bildersammlung schon nach dem Rundgang durch den Skulpturenpark erschöpft. In der Carlshütte baumelte meine Kamera nur lustlos an meiner Schulter und es entstand irgendwie kein Impuls, das eine oder andere Exponat im Bild festzuhalten.
Der zweite große Hallenbereich setzte genau denselben Eindruck fort. Wo früher großformatige Exponate standen, erstreckte sich jetzt eine banale Wasserlandschaft, der man unschwer ansehen konnte, dass sie nur angelegt worden war, damit es nicht allzu leer aussah. Spätestens an dieser Stelle war meine Enttäuschung schon so groß, dass ich den Rest der Halle eigentlich nur noch abgelaufen habe.
Ich kann mich an frühere Jahre erinnern, als man gar nicht genügend Platz hatte, um all die Bilder, Skulpturen und Video-Art unterzubringen. Damals wurde jeder Nebenraum genutzt und ein Ausstellungsbesuch löste nicht nur tausend Assoziationen und Aha-Effekte aus, sondern nahm auch gut und gerne vier, fünf Stunden in Anspruch, ohne langweilig zu werden.



Dieses Mal konnte man bestenfalls die Beton- und Stahlkonstruktion der Halle selbst bewundern. Die Kunst war eher Dekoration am Rande und nur einige wenige Exponate luden dazu ein, sich länger damit auseinanderzusetzen und den Anblick zu genießen.
Ich habe weniger als eine Stunde gebraucht, um alles zu sehen und am Ende zu dem Eindruck zu kommen, dass es eigentlich nichts zu sehen gab. Es war das erste Mal, dass ich eine Nordart besuchte und das Eintrittsgeld eigentlich lieber im Café gelassen hätte.
Woran liegt es?
Ist es die woke Grundhaltung, die Kunst immer mehr zum Problem macht, wenn sie nicht das allgegenwärtige kommunistisch-sozialistisch geprägte Narrativ bedient? Sind viele Kunstwerke einfach aus dem politisch korrekten Raster gefallen, den man überall im Land spüren kann? Oder lag es schlicht und einfach am Geld?
So allmählich ist eben die rotgrüne Denke auch in der Kunst angekommen. Wir haben mittlerweile immer mehr Menschen ohne Format und Charakter und vor allem ohne nennenswerte Bildung in der Politik. Die halten Kunst nur dann für wichtig, wenn sie irgendwie in ihre Denkmuster passt. Ansonsten gibt es dafür schlicht und einfach keinen Etat. Die kulturlose Jugend der Jetztzeit kann sich zwar für eine Lesben- und Schwulenparade bei dumpfem Technobeat begeistern. Aber für anspruchsvolle Kunst hat sie keine Antenne mehr.
Immerhin haben wir jahrelang eine grüne Kultusministerin gehabt, die Kunst nur dann gefördert hat, wenn sie schön grün, nachhaltig und divers war. Jede simple Fernsehserie tut heute so, als bestünde die Menschheit nur noch aus einer wie auch immer gearteten Mischung aus entgleisten Typen, die sich irgendwo zwischen männlich und weiblich bewegen. In jedem Krimi muss mittlerweile eine Kommissarin die Fälle lösen, obwohl das in der realen Welt eher die Ausnahme ist.
Für großartige Kunst und kulturelle Spitzenleistungen ist in dieser Welt kein Raum mehr. Und es wird kein Geld mehr ausgegeben, denn das braucht man schließlich um eine immer größere Schar an Fremden durchzufüttern. Und um wieder bei der Rüstungsindustrie auf Shoppingtour zu gehen.
Nächstes Jahr sehe ich genau hin, bevor ich mich für oder gegen einen weiteren Besuch der Nordart entscheide.