Die Generation lebensunfähig ist am Start

 

 

Es ist die Generation, die von ihren Helikoptermuttis jeden Morgen zur Schule chauffiert wurde. Die Generation, der es nie an etwas fehlte und die keine Entbehrung kannte. Eine Generation von streikenden Klimarettern, die von grünen Lehrern erzogen wurde und den linken Demagogen auf den Leim ging. Jetzt drängt sie allmählich in den Arbeitsmarkt und träumt weiter.

Sie standen im Mittelpunkt der Familie. Sie waren die Prinzen und Prinzessinnen. Sie wurden behütet und umsorgt und wohnen nicht selten noch mit zwanzig bei Mutti, weil sie noch nicht wissen, was sie aus ihren Leben machen wollen und irgendwie glauben, dass doch eigentlich sowieso alles keinen Sinn mehr macht. Sie wurden von grünen Lehrern erzogen, schwänzten am Freitag ungestraft die Schule und halten sich für die letzte Generation vor dem großen Klimakollaps. Die Rede ist von der Generation Z die bei Arbeitgebern schon ein festes Image gefunden hat. Und das ist alles andere als positiv.

Noch vor zwei Jahren galt es als Glückstreffer, eine Lehrstelle gefunden zu haben. Wer auf der Suche nach einem Job war, musste hundert Bewerbungen in den Briefkasten stecken und bekam so gut wie nie eine Antwort. Leute hielten in miserabel bezahlten Jobs mit ungünstigen Arbeitsbedingungen aus, denn was man hat, das hat man und was man bekommt, das weiß man noch nicht.

Heute klagt praktisch jeder Handwerker über mangelnden Nachwuchs. Die Bäcker verschwinden allmählich aus dem Stadtbild, denn die Generation Z will eben nicht zur Arbeit antreten, wenn all die anderen noch in der Disco sind. Auch die Industrie hatte Mühe, ihre Ausbildungszentren zu füllen und für Nachwuchs zu sorgen. So manches Unternehmen senkt die Anforderungen bis zur Schmerzgrenze und freut sich über jeden jungen Menschen, der noch bereit ist, einen handfesten Beruf zu erlernen.

Doch der Strom der Ausbildungswilligen, der da in die Betriebe tröpfelt, hat grundlegende Defizite. „Diese jungen Leute haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Kontaktfähigkeit,“ wird der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann in 24Hamburg zitiert. Es ist eben die Generation der kurzen Videoclips und der schnellen Kurznachrichten, die entweder nie wirklich erzogen wurde oder aber in einer behüteten Welt aufgewachsen ist, in der sie der Dreh- und Angelpunkt waren. Kinder bekommen eben heute nur noch Assis, die selbst zum Verhüten zu dumm sind, oder Besserverdiener, die sich ein Kind auch leisten können.

Assi-Eltern haben zwar alle Zeit der Welt, aber selten viel im Kopf und erst recht keine Lust auf so etwas Sinnvolles wie Kindererziehung. Ihre Kids wachsen auf der Straße auf und lernen das, was man im Problemviertel eben lernt. Geld ist knapp in diesen Kreisen. Also träumen die Jugendlichen nicht von einem tollen Beruf. Sie wollen einfach nur möglichst schnell möglichst viel Geld in die Hand bekommen. Ganz gleich, wie.

Die Mutter, die zu Hause bleibt, um die Kinder zu erziehen, ist mittlerweile eine Seltenheit. Und genau sie ist ein Problem der anderen Art. Für sie ist Kindererziehung ein Beruf und der kleine Bengel oder die nervige Göre bilden den Mittelpunkt ihres Daseins. Solche Kinder kennen keinen Mangel. Sie sind Wohlstand gewohnt und halten es für selbstverständlich, das neueste iPhone oder die angesagten Sneakers geschenkt zu bekommen. Das irgendjemand dafür arbeiten muss, hat ihnen niemand bewusst gemacht. Also wachsen sie mit dem Bewusstsein auf, dass das Leben leicht und unbeschwert ist und sie ein Anrecht auf alles haben, was ihnen wichtig erscheint.

Anders gesagt: Der Azubi-Markt ist nicht nur kleiner geworden. Er besteht heute auch aus jungen Menschen, die eher problembehaftet als lernbereit sind. Die einen haben eigentlich keinen Bock auf eine Ausbildung und sind entsprechend lustlos bei der Sache. Die anderen streben nach Höherem. Sie fangen nicht selten mehrere Studien an, um sie dann abzubrechen und sich immer wieder neu zu orientieren. Und wenn sie es tatsächlich zum Abschluss gebracht haben, dann denken sie eher an einen entspannten Lifestyle als daran, sich mühevoll auf den Karriereweg zu begeben. Sie werden zwar von den Unternehmen heftig umworben. Aber sie wissen auch, dass sie gefragt sind und verhalten sich entsprechend.

Es gibt mittlerweile Arbeitgeber, die es längst aufgegeben haben, sich mit der Generation Z auseinanderzusetzen. Sie haben einfach keine Lust auf die Anspruchshaltung einer Wohlfühlgesellschaft, die immer mehr Forderungen stellt und immer weniger leisten will. Wo früher von Work-Life-Balance die Rede war und Berufseinsteiger lieber auf einen Karrieresprung verzichtet haben, wenn damit zu viel Verzicht im Privatleben verbunden war, werden heute schon beim Einstellungsgespräch Ansprüche gestellt.

In der Welt wurden kürzlich Arbeitgeber zitiert, die von regelrechten Wunschlisten berichten, die ihnen vorgelegt werden. Das Unternehmen soll sich nach ihrem Lifestyle richten und nicht umgekehrt. „Ich komme mal vorbei, aber wenn mir das zu stressig wird, dann lasse ich es lieber,“ meinte zum Beispiel Geschäftsführer Mathias Keswani von Nerdindustries und ergänzt resigniert: „Wer nach sechs Stunden Arbeit dringend zum Yoga muss, wird wohl kaum bereit sein, sich für seinen Job einzusetzen.“

40 % der Generation sind lieber arbeitslos, als einem anstrengenden Job hinzugeben, hat Personaldienstleister Randstad herausgefunden. Für viele Post-Millennials steht eben „viel Freizeit haben“ absolut im Mittelpunkt ihrer Lebensvorstellungen. Die Nachkriegsgeneration lebte noch um zu arbeiten. Die Generation Z sieht das völlig anders und will eigentlich nur so viel Geld verdienen, dass es sich davon leben lässt.